Person springt freudvoll unter einem Baum, während zwei weitere Personen tanzen und feiern in einer Waldlandschaft

Rausgehen, runterkommen

Was Natur mit dir macht

Warum kann unser Gehirn in der Natur leichter abschalten? Was steckt chemisch im typischen Waldgeruch? Und was haben sogenannte Killerzellen damit zu tun?

Shinrin-yoku – woher kommt das Waldbaden?

Shinrin-yoku bedeutet sinngemäß „Baden in der Waldatmosphäre“. Der Begriff wurde 1982 in Japan von Tomohide Akiyama, dem damaligen Leiter der japanischen Forstbehörde, geprägt. Die Idee war, Menschen dazu anzuregen, Wälder bewusst zur Erholung zu nutzen.

Warum Natur unsere Aufmerksamkeit entlasten kann

Eine mögliche Erklärung liefert die Theorie der Aufmerksamkeitserholung (Attention Restoration Theory).

Im Alltag brauchen wir oft gerichtete Aufmerksamkeit: Wir konzentrieren uns, unterdrücken Ablenkungen und halten unseren Fokus. Das beansprucht mentale Ressourcen.

Natur kann dagegen eine sogenannte sanfte Faszination auslösen: Bewegte Blätter, Wolken, Wasser oder wechselndes Licht ziehen unsere Aufmerksamkeit an, ohne ständig volle Konzentration zu verlangen.

Die Idee dahinter: Unser Gehirn bekommt Reize, muss aber weniger filtern und kontrollieren. Dadurch kann sich die gerichtete Aufmerksamkeit erholen.

Was steckt eigentlich im Waldduft?

Viele typische Waldgerüche entstehen durch Terpene: flüchtige chemische Verbindungen, die Pflanzen an ihre Umgebung abgeben.

Dazu gehören beispielsweise α-Pinen und β-Pinen. Sie kommen besonders in ätherischen Ölen von Nadelbäumen und Harzen vor und tragen zum typischen harzigen Kiefern- und Waldgeruch bei. Der Name Pinen leitet sich von Pinus, dem lateinischen Wort für Kiefer, ab.

Limonen gehört ebenfalls zu den Terpenen. Es kommt besonders in den Schalen von Zitronen, Orangen und anderen Zitrusfrüchten vor, daher der typische Zitrusduft.

Pflanzen nutzen solche Stoffe unter anderem zur Abwehr und chemischen Kommunikation. Welche Rolle Terpene für mögliche gesundheitliche Wirkungen eines Waldaufenthalts beim Menschen spielen, wird noch erforscht.

Was sind natürliche Killerzellen?

Natürliche Killerzellen, kurz NK-Zellen (Natural Killer Cells), gehören zur angeborenen Immunabwehr. Diese Immunzellen können unter anderem virusinfizierte oder auffällig veränderte Körperzellen erkennen und zerstören.

In einer kleinen Studie von Qing Li und seinem Forschungsteam stieg nach einem dreitägigen Waldaufenthalt die Aktivität dieser NK-Zellen bei 11 von 12 Teilnehmern; im Durchschnitt lag sie etwa 50 Prozent höher als vorher. Andere Untersuchungen desselben Forschungsteams fanden teilweise auch noch Tage später eine erhöhte Aktivität.

Das heißt allerdings nicht, dass jeder Waldspaziergang das Immunsystem automatisch um einen bestimmten Prozentsatz verbessert. Die Studien waren klein und untersuchten mehrtägige, strukturierte Waldaufenthalte.

Reicht auch ein Waldvideo?

Auch virtuelle Natur kann etwas bewirken. Naturbilder, Videos und Naturgeräusche können kurzfristig Erholung fördern und Stressreaktionen beeinflussen.

Ein echter Wald liefert allerdings deutlich mehr Informationen gleichzeitig: Gerüche, Temperatur, Wind, Bewegung, Boden, räumliche Tiefe und wechselnde Geräusche.

Das Waldvideo an dieser Station wird damit selbst zu einem kleinen Experiment: Wie viel Natur braucht dein Gehirn, bevor es darauf reagiert?

Gedanken über Natur und Erholung

ICH

Meine Naturerfahrungen

  • Wo in der Natur fühle ich mich besonders wohl?
  • Welche Geräusche, Gerüche oder Landschaften helfen mir, zur Ruhe zu kommen?
  • Wann habe ich zuletzt Natur ganz bewusst wahrgenommen?

DU & WIR

Gemeinsam draußen sein

  • Was verändert sich, wenn ich mit anderen Menschen Zeit in der Natur verbringe?
  • Welche Naturerlebnisse verbinden mich mit anderen?
  • Wie könnten wir in unserem Alltag gemeinsam mehr Zeit draußen verbringen?

GESELLSCHAFT

Natur für alle

  • Haben alle Menschen die gleichen Möglichkeiten, Natur zu erleben?
  • Warum sind Parks, Wälder und Grünflächen auch für Städte wichtig?